Klangfilm –
Klangwelt Kreis Steinfurt

Hans-Jürgen Poëtz

KLANGWELT KREIS STEINFURT
HD AUDIO/VIDEO, 2026
42'44''



Der Klangfilm Klangwelt Kreis Steinfurt ist ein audiovisuelles Porträt des Kreises Steinfurt. Er entstand im Rahmen einer fast zweijährigen Erkundung und künstlerischen Forschung zur „akustischen DNA“ dieser weitläufigen, ländlich geprägten Region.

Ziel war es, für die 24 Städte und Gemeinden des Kreisgebietes jeweils eine eigene akustische Signatur herauszuarbeiten. Grundlage dafür bildeten Recherchen zu Geschichten, Menschen, Natur, Technik, Gebäuden, Objekten sowie zu alltäglichen und besonderen Aktivitäten. Aus jeder Kommune wurde schließlich ein spezifischer Klangort ausgewählt, der auf zentrale Themen der Region verweist. Die Auswahl aller Klangorte wurde zudem aufeinander abgestimmt, um sie zu einem übergeordneten Gesamtklangbild zu arrangieren, das sowohl Überschneidungen als auch Kontraste zulässt und in seinen Relationen ein charakteristisches akustisches Geflecht des Kreisgebietes entstehen lässt. Gegenwärtige Spuren spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Rekonstruktion vergangener Klangräume sowie jene Klangwelten, die ohne aktive Partizipation nicht entstehen können.

Im Ergebnis entstanden 24 unterschiedliche Klangstücke mit Längen zwischen 50 Sekunden und 27 Minuten sowie kurze Videos, die gemeinsam das Material für den Klangfilm liefern. Die filmischen Bilder sind dabei stets von ihrem akustischen Material und Kontext geprägt und zeigen jeweils einen Aspekt, eine Perspektive oder einen Zustand. In Sequenzen audiovisueller Versuchsanordnungen interagieren Bild und Ton auf bewusste Weise miteinander: Sie flirren, zittern, blubbern, fokussieren und erweitern sich gegenseitig und kehren dabei gängige Filmmuster um, in denen der Klang das Bild begleitet.

Durch Verschiebungen und künstlerische Komposition werden Klänge einer Kommune mit Bildern einer anderen kombiniert und umgekehrt. Aus dem Vertrauten entwickelt sich so ein neuer Blick auf die Umgebung. Auf diese Weise entstehen neue Verbindungen zwischen den Orten, zugleich werden Irritationen erzeugt und Fragen an die jeweiligen Standorte aufgeworfen. Der Klangfilm schärft das Bewusstsein dafür, wo man sich befindet, was man hört und wie – oder ob – sich das Gehörte überhaupt eindeutig zuordnen lässt und welche Geschichte es erzählt. 

Erst im In-Beziehung-Treten der einzelnen Klänge formt sich das akustische Bild der Region. In diesem offenen Prozess rücken verborgene Qualitäten der Orte in den Fokus: ihre historischen Schichten, ihre topografischen Bedingungen, die Rolle der Menschen sowie jene Eigenschaften, die eine Region jenseits klarer Zuschreibungen prägen. Durch die bewusste Verschiebung von Bild und Ton verweben sich die 24 Orte zu einem audiovisuellen Raumgeflecht, das unterschiedliche Lesarten zulässt.

Klangwelt Kreis Steinfurt thematisiert emotionale Bindungen an Orte, hinterfragt geläufige Wahrnehmungen ländlicher Lebenswelten und setzt sich mit Fragen politischer Teilhabe sowie narrativer Deutungshoheit auseinander. Darüber hinaus reflektiert der Klangfilm stereotype Bilder ländlicher Räume und untersucht die Bedeutung von Landschaft, kulturellem Erbe und sozialen Interaktionen als zentrale Bezugspunkte von Identität. Der Klangfilm versucht dabei, nicht nur nostalgische Vorstellungen von Heimat zu spiegeln, sondern auch die komplexen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Dynamiken ländlicher Räume hör- und erfahrbar zu machen.

Klangfilm – Stereo, deutsche Untertitel:
Bitte verwenden Sie Kopfhörer oder eine Audioanlage für das beste Hörerlebnis.

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